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Abstraktes begreifbar machen – Rückblick: Online-Workshop „Lego Serious Play“ des Digital Hub Nordschwarzwald

By 22. Juli 2021No Comments

Abstraktes begreifbar machen – Rückblick: Online-Workshop „Lego Serious Play“ des Digital Hub Nordschwarzwald

Digitalisierung und Transformation im wahrsten Sinn des Wortes begreifbar machen, Change-Management im Sinne von „Brückenbauen“ zwischen verschiedenen Bereichen begreifen:  Kommunikation und die Einbeziehung aller Beteiligten an komplexen Prozessen sind unabdingbar.

Gerade bei Digitalisierungsprojekten gilt es verschiedenste Beteiligte ins Boot zu holen und komplexe Sachverhalte zu erläutern und abzustimmen. Doch wie erreicht man das?

Eine nur auf den ersten Blick ungewöhnliche Herangehensweise wurde bei einem Online-Workshop vorgestellt.  Erwachsene Menschen, die ein Unternehmen leiten oder selbst „Bestandteil“ eines Unternehmens sind gehen an diesem Tag wie sonst auch zur Arbeit, kippen vor sich auf dem Schreibtisch eine Box mit Lego-Steinen aus. Und fangen an, Türmchen zu bauen. Am Ende von mehreren Workshop-Stunden haben sie eine ganze Lego-Landschaft geschaffen. Ihre Landschaft. Vielmehr: Ihre Art, wie sie ihre Arbeitslandschaft erleben (wollen) und Brücken, für die gemeinsame Kommunikation.

Diese Methode – genannt „Lego Serious Play“ erfreut sich immer größerer Beliebtheit und wurde daher nun auch bei diesem Online-Workshop vorgestellt. Mit knapp 40 Teilnehmenden, die sich mit Hilfe von Lerndesigner Steffen Powoden und dem Digitalisierungs- und Projektmanagement-Experten Jörg Tausendfreund zunächst fast eine Stunde der Theorie widmen, bevor es anhand des zugeschickten Lego-Pakets in die Praxis geht. „Erfolgreiche Digitalisierungsprojekte haben auch mit Technik zu tun, aber vor allem auch mit Menschen und einer gezielten Organisationsentwicklung sowie einem gemeinsamen Verständnis für die Projekte und Kommunikation, daher haben wir dieses Thema mit dem Lego Serious Play Workshop in den Fokus gerückt“, so Marina Schemmert, Standortleiterin für Pforzheim / den Enzkreis Digital Hub Nordschwarzwald.

Zunächst als Warmup sozusagen ging es zum Turmbau. Da zeigte sich schon, wie unterschiedlich die Herangehensweisen sein können: Der eine baut seinen Turm schnell, schlank – Hauptsache: hoch. Der andere hat ein breites Fundament, auf dem ein stabiler, breiter Turm ruht zusammengestellt. Ein jeder ist ein Charakteristikum für die Arbeitsweise und Arbeitsauffassung des Erbauers. Es geht bei dieser spielerischen Herangehensweise um die Möglichkeit, Prozesse sichtbar zu machen, „wabernde Gedanken“ (Powoden) zu kanalisieren. Powoden bezeichnet das Lego Serious Play als „Drei-D-Drucker für Gedanken und Emotionen“. Die Hand setzt in der Verbindung mit dem Gehirn das um, was sich im Unterbewusstsein abspielt. Es gilt, das ans Tageslicht zu bringen, für das es „nicht immer Worte gibt“ – in einer „eigenen Sprache“.  Anhand einer wiederum oft auch unübersichtlich wirkenden Digitalisierung und einer hohen Dynamik der Systeme gilt dies als eine wirksame Methode der Klärung.

Mit Hilfe einer spielerischen Atmosphäre soll Mut und Offenheit entstehen, mit Fragestellungen wie „Wie wurden die letzten zwölf Monate erlebt?“ oder „Was bedeutet online für mich?“ gehen die Teilnehmenden in die Praxis-Phase des Workshops. Die Fragen freilich sind beliebig austauschbar im realen Arbeitsleben.

Auch die Skeptiker zeigten sich überzeugt und räumten nach der Praxisphase im regen Austausch ein, dass das Bauen mit Lego ganz und gar nicht „trivial“ war, sondern allein schon die Erkenntnis, für welchen Lego-Stein man sich entschied, um etwas auszudrücken interessante Aha-Erlebnisse mit sich bringt. Nicht die Teile zu haben, die man tatsächlich brauchte habe zu einer Begrenzung geführt, die letztlich „gut getan hat“, wie ein Teilnehmer sagt. „Den Händen vertrauen“ nennt Powoden das.

Richtig und falsch gibt es bei diesem Strategiespiel nicht, wie die Dozenten immer wieder betonen, die sich einer lebhaften Diskussion gegenübersehen. In Gruppen werden die Modelle während des Workshops erläutert, so stellte ein Teilnehmer zum Beispiel fest, dass das Gebäude mit den Kunden „ganz schön weit weg“ ist und er eine Brücke bauen musste, die über einen Umweg wieder zu den Kunden führte. Störend sei das gewesen und sicher auch geschäftsschädigend. Seine Figur ist auf einem Drehteller angebracht und drehte sich in den vergangenen Monaten mehr in Richtung Natur. Im Moment des Erklärens wird vieles klar und erlebt, dass das Bauen eine unbewusste Selbstreflektion darstellt.

Und hier liegt auch die große Chance dieses Prozess-Spiels: Den Ist-Zustand vor Projekten oder einer Weichenstellung abzufragen mit Hilfe der Lego-Modelle, die in einem Team erläutert und gehört werden. Ohne Wertung. Jörg Tausendfreund weist auf einen wichtigen Aspekt bei Lego Serious Play hin: „Die Lösungen und Antworten sollten immer im Team liegen.“ Und das kann nach dieser spielerischen Reflektionsphase, in der wichtige Fragestellungen unterschiedlicher Art in reale Modelle verwandelt werden, dann auch gemeinsam von einem Ist-Modell des Unternehmens zu einem Soll- oder Ziel-Modell gehen. In jedem Fall aber, so Steffen Powoden, wird die „übergreifende Kommunikation“ gestärkt, die „Reflexionsqualität erhöht“. Der Trick: Sowohl dem Bauen als auch dem Reden werden zeitliche Grenzen gesetzt. Lebhaftes Nachfragen und Tipps der Fachleute beenden den mehrstündigen Workshop.

 

 

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